Darauf hat die Welt, zumindest Deutschland ja schon lange gewartet. Seit 2017 ist das ß als Großbuchstabe im amtlichen Teil der deutschen Rechtschreibung enthalten. Seitdem kann man auch den letzten Buchstaben des deutschen Alphabets in seiner Form als Großbuchstaben verwenden. Aber warum existiert eigentlich dieser Buchstabe, der bisher immer klein bleiben musste? Das so genannte Scharfe S diente ursprünglich zur Wiedergabe des stimmlosen Lauts [s] und zur Unterscheidung zum stimmlosen alveo-palatalen Frikativ [​ɕ]. Nach dem Zusammenfall beider Laute wusste keiner mehr so genau, welches Symbol für welchen Laut stand und so blieben beide Varianten als Schreibweise in der deutschen Schriftsprache im Umlauf. Da das ß jedoch niemals am Wortanfang stehen kann, sah man es bisher nicht als erforderlich an, einen Großbuchstaben zu entwickeln. Dies führte bisher jedoch zu Problemen bei der Verwendung von Schriftarten, die rein auf Majuskeln, also Großbuchstaben basiert, z.B. in Überschriften oder auf Werbeschildern.

Nach der Einführung des neuen Buchstaben kann jetzt auch der PREUßISCHE MAßSTAB oder das GIEßENER TAGBLATT vollständing und orthographisch richtig in Majuskeln geschrieben werden. Gut, dass das (beide weiterhin übrigens ohne ß) endlich geklärt ist.

Interessant finde ich, dass bis heute dennoch häufig auf die Variante mit dem Doppel-s ausgewichen wird, wenn ein Wort mit ß in Majuskeln geschrieben wird, wie dieses Beispiel zeigt:

Quelle: https://www.zvon.de/de/tickets/

Übrigens, der DUDEN hat eine Übersicht über die richtige Verwendung der verschiedenen S-Varianten zusammengestellt:

1. Für den stimmlosen s-Laut nach langem Vokal oder Doppellaut (Diphthong) schreibt man ß. Blöße, Maße, Maß, grüßen, grüßte, Gruß, außer, reißen, es reißt, Fleiß, Preußen Ausnahmen: aus, heraus usw.

 2. Dies gilt jedoch nur, wenn der s-Laut in allen Beugungsformen stimmlos bleibt und wenn im Wortstamm kein weiterer Konsonant folgt. . Haus (stimmhaftes s in Häuser) Gras (stimmhaftes s in Gräser) sauste (stimmhaftes s in sausen) meistens (folgender Konsonant im Wortstamm) 

3. Für den stimmlosen s-Laut nach kurzem Vokal schreibt man ss. Das gilt auch im Auslaut der Wortstämme . Masse, Kongress, wässrig, Erstklässler, dass (Konjunktion) hassen, ihr hasst Fluss, Flüsse essen, du isst, iss! Missetat, missachten Ausnahmen: das (Pronomen, Artikel), was, des, wes, bis 

4. Wörter auf „-nis” und bestimmte Fremdwörter werden nur mit einem s geschrieben, obwohl ihr Plural mit Doppel-s gebildet wird . Zeugnis (trotz: Zeugnisse) Geheimnis (trotz: Geheimnisse) Bus (trotz: Busse) Atlas (trotz: Atlasse) 

5 In Personennamen oder geografischen Namen kann die Schreibung des stimmlosen s-Lauts von den amtlichen Regeln abweichen.Theodor Heuss (erster deutscher Bundespräsident) Neuss (Stadt am Niederrhein) 

Quelle: www.duden.de

Schwa-Symbol das mit einem Zeigestock auf eine Tafel zeigt, auf der das große und das kleine Esszett abgebilet sind
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