Ist euch schon einmal aufgefallen, dass der Sprechfluss von schweizerdeutschen Sprecher*Innen sich irgendwie fließender und gebundener anhört als der Sprechfluss von deutschen Sprecher*Innen? Der Grund dafür liegt im so genannten “stimmlosen glottalen Plosiv” oder “Glottisschlag”, der bei der Aussprache von Vokalen in der hochdeutschen oder standarddeutschen Sprache vorkommt. Gemeint ist damit dieser kurze Verschluss im Gaumen, der verwendet wird, sobald ein Vokal zum Beginn eines Wortes oder zum Beginn einer Komposition auftritt. Der Glottisschlag kann dabei sogar wortendscheidende Veränderungen bewirken, wie z.B. in den beiden Begriffen (das) Spiegelei und (die) Spiegelei. Auch wenn man mit dem zweiten Begriff nicht unbedingt etwas anfangen kann, so wird er vermutlich unbewusst anders ausgesprochen werden als der erste.
Das Sprachphänomen des Glottisschlags tritt auch in anderen Sprachen auf, allerdings häufig in einem anderen Zusammenhang. Der Stød im Dänischen z.B. wird tatsächlich verwendet um schriftsprachlich gleiche Wörter phonetisch unterschiedlich zu realisieren. So werden einige Nomen und die dazugehörigen Verben, wie z.B. /læser/ dt. lesen oder Leser lediglich durch den Stød unterscheidbar. Auch die englische Sprache kennt den Glottisschlag, der besonders in dem als vornehm geltenden Londoner Cockney-Dialekt zum Ausdruck kommt. Hier wird er allerdings als Ersatzlaut für ein eigentlich zu erwartendes [t] verwendet. In der hebräischen und arabischen Sprache existieren sogar tatsächliche Schriftzeichen, die die Verwendung eines Glottissschlags im Wort anzeigen. So existiert im Hebräischen der Buchstabe Alef (א) sowie im Arabischen der Buchstabe Hamza (ء) um diesen Laut grafisch darzustellen.
Übrigens: Auch die Pause in “Sprecher*Innen” ist phonetisch betrachtet das gleiche Phänomen wie die Pause im “Spiegel*ei”.