Ludwik Lejzer Zamenhof hatte einen Plan und dieser sollte die Sprachwelt
verändern. Geboren als Sohn jüdischer Eltern im damaligen Russischen Zarenreich
und beeinflusst von den vielen unterschiedlichen Ethnien und sprachlichen
Einflüssen in seiner Heimatstadt interessierte er sich schon früh für andere
Sprachen. Gleichzeitig sah er immer neue aufbrodelnde Konflikte, die er selbst
hauptsächlich auf das Fehlen einer gemeinsamen Sprache und die daraus
resultierenden Verständigungsprobleme zurückführte. Mit dem Ziel, diese
Konflikte zu beenden, begann Zamenhof schon früh damit, eine eigene Plansprache
zu entwickeln. Sie sollte einfach zu erlernen und möglichst neutral aufgebaut
sein, damit alle Menschen die gleichen Voraussetzungen zum Erlernen der Sprache
hätten. 

Im Laufe der Zeit konkretisierte er seinen Plan, bis er 1887
letztendlich sein Sprachprojekt unter dem Namen ” Lingvo internacia”
veröffentlichte. Bald darauf entwickelte die Sprache eine Eigendynamik und so
entstand unter der schnell wachsenden Anhängerschaft der Name “Esperanto”,
abgeleitet vom selbst gewählten Pseudonym Zamenhofs, “Dr. Esperanto” (dt.
Hoffender). Heutzutage gehört Esperanto zu den bedeutendsten und bekanntesten
Plansprachen weltweit. Auch wenn die Sprache selbst in keinem Land der Welt
einen offiziellen Status hat, wird die Zahl der Sprecher*innen aktuell auf etwa
100.000 weltweit geschätzt. 

Im Gegensatz zu vielen anderen Plansprachen kann
Esperanto so auf eine andauernde Geschichte zurückblicken, und es sieht ganz
danach aus, dass uns diese Plansprache wohl langfristig erhalten bleibt. Das
Geheimnis dieses Erfolgs liegt wohl in der Regelmäßigkeit der Sprache. Anders
als natürlich entstandene Sprachen, und anders als die meisten anderen
Plansprachen besitzt das Esperanto eine regelmäßige Grammatik ohne Ausnahmen
sowie eine klare Morphem-Graphem-Relation, also einer eindeutigen Zuordnung
eines Buchstabens zu einem bestimmten Laut. So lassen sich grammatikalische und
phonologische Regeln schnell einprägen und anwenden. 

Trotz aller Erfolge hat
auch Esperanto allerdings einen kleinen Haken: Die Sprache orientiert sich sehr
an den europäischen Sprachfamilien. Asiatische oder afrikanische Einflüsse sind
so gut wie gar nicht zu finden. Dennoch hat Esperanto es geschafft, sich bis
heute zu halten und wer weiß, vielleicht macht sich auch hier früher oder später
ein Sprachwandel bemerkbar und irgendwann können wir hier wirklich von einer
“Weltsprache” reden.

DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner