Kennt ihr das Phänomen? Ihr überlegt, wie ein Wort richtig geschrieben wird und plötzlich erscheint euch dasganze Wort nicht mehr richtig oder ihr denkt sogar darüber nach, ob es sich dabei wirklich um ein richtiges Wort handelt. Dieses Phänomen nennt man “Semantische Sättigung”. Ausgelöst wird diese Sättigung in der Großhirnrinde, wo ein für das Wort spezifisches neuronales Muster angeregt wird. Durch die ständige Anregung der selben Nervenzellen in kurzer Zeit wird das Aktionspotential der Neuronen gehemmt und so das abgegebene Signal abgeschwächt. Dadurch kann die semantische Verknüpfung mit dem Wort nicht mehr vollständigausgebildet werden und wir verlieren mit der Zeit den Zusammenhang des Wortes mit seiner Bedeutung.
Entdeckt wurde dieser Effekt übrigens von Leon Jakobovits James im Jahr 1962. Seine Doktorarbeit zu dem Thema habe ich in den Quellen verlinkt. Aktuelle Forschungen zu dem Thema beschäftigen sich hauptsächlich mit der Frage, wie das Phänomen in den Zweitspracherwerb integriert werden kann. Das Vokabellernen wird den zukünftigen Schüler*Innen dadurch sicherlich nicht erspart werden, aber womöglich finden sich bessere Formen des Lernens als Seite für Seite abzuschreiben und wiederholt durchzulesen.
Quelle: https://escholarship.mcgill.ca/concern/theses/c821gp587?locale=en